Zum Hauptinhalt springen
Klient erklärt seine Gedanken im Gespräch, während die Therapeutin Notizen macht.

KJP oder PPT – welche Ausbildung passt zu mir?

Hilfe für Master-Absolventen bei der Wahl - Marktchancen KJP / PP - persönliche Eignung für KJP / PP - Unterschiede im Klientel
Dr. Reinald Faß
01.10.2026

Habe ich überhaupt eine Wahl?

Wenn Sie einen Master in Psychologie mit Schwerpunkt klinische Psychologie (insg. 300 CEP) vorweisen können (und mit dem Bachelor vor dem 01.09.2020 begonnen haben), können Sie es aussuchen, in welche Richtung Sie gehen wollen. Bei allen anderen (noch zugelassenen) Abschlüssen hingegen ist nur die Ausbildung zum/zur Kinder und Jugendlichenpsychotherapeuten/in möglich. Dann besteht keine Wahlmöglichkeit.

 

Was ist anders bei Kindern und Jugendlichen?

Kinder und Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen. Sie kommen meist in die Praxis auf Wunsch ihrer Eltern oder von Schulen / KiTas bzw. auf Anraten von Ämtern. Ihre eigene Therapiemotivation muss daher oft erst mühsam aufgebaut werden. Bei der Therapie werden daher i.d.R. die Erziehungsberechtigten mit einbezogen – als Beispiel wird bei der Kurzzeittherapie von 12 Einheiten bei KiJu zusätzlich 3 Einheiten mit Beziehungspersonen gewährt. Allerdings hat das auch zur Folge dass die Therapie oft ein Spagat zwischen Schweigepflicht und Auskunftspflicht gegenüber den Erziehungsberechtigten erforderlich ist. Weiterhin können gerade jüngere Kinder oft noch nicht ihre Gefühle beschreiben, so dass sich in der Therapie daran spielerisch angenähert werden muss. Auf der anderen Seite bietet der geistige Entwicklungsprozess auch Chancen auf schnellere therapeutische Wirkung als bei Erwachsenen. Bei den Störungsbildern dominieren Zwangsstörungen, Depressionen und Anpassungsstörungen.

 

Was ist anders bei Erwachsenen?

Die Prävalenz psychischer Störungen ist bei Erwachsenen deutlich höher als bei KiJu und liegt aktuell knapp über 40% (2012 noch 35%). Sie suchen die Praxis meist aufgrund eines hohen Leidensdrucks aus eigenem Antrieb auf. Allerdings haben sich oft die Störungsbilder über viele Jahre hinweg verfestigt und oft chronifiziert. Veränderungen über die Therapie sind daher oft schwieriger und brauchen mehr Zeit. Die Therapie erstreckt sich i.d.R. auch nur auf sie – Partner/Familie werden i.d.R. nicht mit einbezogen. Die zu behandelnden Störungsbilder unterscheiden sich auch von denen von KiJu: Bei Erwachsenen treten deutlich öfters Störungen durch psychotrope Substanzen, somatoforme und neurotische Störungen auf als bei Kindern.

Was könnten Kriterien sein, mit denen ich eine Entscheidung treffe?

Der wesentliche Punkt ist, wie gut Sie mit Kindern umgehen können und Zugang zu ihnen finden. Psychotherapie startet i.d.R. ab dem Schulalter mit ca. 6 Jahren und geht bis ins frühe Erwachsenenalter von 20 Jahren. Das schließt auch die Pubertät mit ein, die Ihnen Patienten bringt, die auf der Identitätssuche sind und sich oft abgrenzen wollen. Wenn Sie auch damit gut umgehen können, sollten Sie KJP wählen.

Gibt es unterschiedliche Marktchancen für KJP bzw. PP?

Die Kassenvergütung ist für KiJu und Erwachsene identisch - durch die zusätzlichen Therapieeinheiten für Beziehungspersonen können Sie aber pro Patient und Therapiebewilligung rund ¼ mehr Therapieeinheiten abrechnen und brauchen so für die gleichen Therapiestunden weniger Patienten.

Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist keine Unterschiede zwischen KiJu und Erwachsenen auf. Vom TVÖD her wäre die korrekte Eingruppierung in die EG 14. Es kann aber sein, dass bei der Eingruppierung bei Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeuten mit einem Bachelor-Abschluss dies negativ berücksichtigt wird und zu einer geringeren Eingruppierung führt.

Die Stellenangebote für Psychologische Psychotherapeuten überwiegen allerdings bei einer Online-Recherche in drei verschiebenden Job-Portalen zwischen 18:4, 20:8 bzw. 9:7 (18.08.2026 Suche Radius 50km um Berlin), d.h. ca. 70:30. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass auch der Anteil der Psychologischen Psychotherapeuten ca. dreimal so hoch ist wie der von KJP, d.h. die Stellenangebote spiegeln auch die sehr unterschiedliche Verteilung zwischen PP und KJP wieder.

Weitere Informationen finden Sie in der Studie der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung von 2025 (link unten):

Umfrage Angestellte PDF

Therapeutin sitzt lächelnd mit Klemmbrett in einem hellen, modernen Beratungsraum.

Sie möchten den nächsten Schritt gehen?

Ob Ausbildung, Weiterbildung oder fachliche Vertiefung: Am SBT Institut finden Sie passende Wege, um Ihre berufliche Entwicklung gezielt voranzubringen.